27-jährige aus Zeulenroda-Triebes näht Katheter-Taschen für krebskranke Kinder

  • Marleen Schönbach aus Zeulenroda-Triebes näht Taschen für Katheter. Foto: Ute Flamich Marleen Schönbach aus Zeulenroda-Triebes näht Taschen für Katheter. Foto: Ute Flamich
Die 27-Jährige und ihr Mann begleiten eine befreundete Familie, deren Baby todkrank ist. Mit ihrer Nähaktion bringt die Frau Farbe in den grauen Krankenhaus-Alltag.
Zeulenroda-Triebes. Die kleine Zaubermaus ist krank. Todkrank. Für eine junge Familie aus dem Vogtländischen Oberland, ihre Verwandten und Freunde steht die Welt Kopf.

"Zaubermaus" nennt Marleen Schönbach aus Zeulenroda-Triebes das 17 Monate alte Baby ihrer Freundin liebevoll. Bei dem kleinen Mädchen ist fünf Tage vor ihrem ersten Geburtstag im Greizer Krankenhaus ein Hirntumor diagnostiziert worden. Seitdem durchlaufen Eltern und Kind einen einzigen Krankenhaus-Horror-Marathon.

Ein Stück weit auf diesem Weg begleitet wird die Familie aus dem Vogtländischen Oberland von ihren Freunden Marleen Schönbach, die heute 27. Geburtstag feiert, und ihrem Ehemann Christian (34). Das Paar hat selbst drei Kinder, Tochter Hannah (6) und Sohn Emilian (5). "Unsere jüngste Tochter Milla ist fast im gleichen Alter wie unsere Zaubermaus. Es zerreißt einem das Herz", sagt die junge Mutter.

Trotz allem stand für Marleen Schönbach und ihren Mann von Anfang an fest, dass sie ihre Freunde in dieser unglaublich schweren Zeit unterstützen wollen. "Wir hatten ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder Abstand nehmen, uns abschirmen und die Situation nicht an uns heranlassen oder sie komplett miterleben. Wir haben uns für die zweite Variante entschieden", sagt Marleen Schönbach.

Für sie war die schwierigste Frage: Was lässt sich tun, wenn man überhaupt nicht mehr helfen kann? Eine Antwort darauf fand Marleen Schönbach bei einem Besuch bei ihrer Zaubermaus auf der Kinderkrebsstation "Regenbogenkinder" in Würzburg. "Viele der Kinder haben einen Katheter, der meist für eine Chemotherapie oder eine längerfristige regelmäßige Medikamentengabe implantiert wird", erklärt die Zeulenrodaerin. Die Katheterbeutel sind in kleinen Brusttaschen verstaut. "In Würzburg waren sie aus weißer Baumwolle und total verwaschen. Sie sahen überhaupt nicht schön aus. Da hatte ich die Idee, die Katheterbeutel, mit denen die Kinder nur Todesangst und viele Schmerzen verbinden, kindgerechter zu verpacken."

Aus Würzburg zurück setzte sie sich an ihre Nähmaschine. Aus kunterbunten Stoffresten mit Marienkäfern, Vögelchen, kleinen Autos, Bäumen und hübschen Mustern darauf gestaltete die Hobbyschneiderin schöne Taschen. Etwa 20 Stück hat sie für die ganze Kinderkrebsstation in Würzburg bereits fertiggestellt, diese privat an Kinder und Eltern weitergegeben. Einen kleinen Makel haben ihre Taschen noch. Mit Druckknöpfen versehen und den kräftigen Stofffarben können sie nicht durch die Krankenhauswäsche gelassen werden.

Daran will Doreen Schönbach noch arbeiten und künftig auch für andere Kinderkrebskliniken, wenn gewünscht, solche Taschen nähen. Ein erster neuer Kontakt besteht seit gestern zur Elterninitiative für krebskranke Kinder Jena e. V. Man habe die Zusendung von zunächst zwei Musterexemplaren vereinbart. In Jena sei es bisher allerdings nicht üblich, so einen Beutel zu benutzen, sagt Katrin Mohrholz, Geschäftsführerin der Elterninitiative. "Aber vielleicht können wir hier ja was initiieren."

Auch die kleine Zaubermaus hatte sicher ihre Freude an den bunten Beuteln. Unglaubliches musste das Baby über sich ergehen lassen: Mehrere Krebsoperationen, vier Chemotherapien, sie bekam auch einen Herzschrittmacher. "Nach der Diagnose stand zunächst das Ziel komplette Genesung", sagt Marleen Schönbach. Seit längerem aber ist gewiss, dass das Baby sterben wird. Nachdem der erste Tumor im Gehirn entfernt werden konnte, musste später festgestellt werden, dass ein zweiter, nicht zu operierender, nachgewachsen ist. Auch hat der Tumor gestreut, der komplette Bauch des Mädchens ist verkrebst.

Am Montag sollte die Zaubermaus nach Hause kommen. Ihr Zustand aber lässt das nicht mehr zu. "Wir verabschieden uns nun von der kleinen Maus, sie hat es fast geschafft", sagt Marleen Schönbach. "Ich wünsche ihr, dass das, was danach kommt, sie glücklich macht und es ihr dort besser geht. Es ist nicht in Worte zu fassen, was Familie und Freunde in der Zeit der Krankheit, des Abschiedes und der Trauer durchleben müssen."


Ute Flamich / 23.08.12 / OTZ
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Kommentare
23.08.12 - 14:49
Ricarda
Diese Geschichte, eine von vielen hat mir wieder gezeigt, wie wertvoll unser Leben und das mit unseren Kindern ist. Es gibt kaum Worte für Menschen die diesen schweren Weg gehen müssen. In meinen Gedanken bin ich dabei.
23.08.12 - 08:06
Biene Maja
Das ist eine sehr bewegende und zugleich sehr Traurige Geschichte. Jeder der selber Kind hat, kann sich vorstellen wie schrecklich diese Situation sein muss. Ich allen weiter ganz viel Kraft und Zusammenhalt.
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